Aktienbewertung mit dem CAPE-Shiller-Verhältnis: Alles, was Sie wissen müssen

Aktienbewertung mit dem CAPE-Shiller-Verhältnis: Alles, was Sie wissen müssen

Autor: Provimedia GmbH

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Kategorie: Finanzwissen

Zusammenfassung: Das CAPE-Shiller-Verhältnis misst die langfristige US-Aktienbewertung anhand realer, über zehn Jahre geglätteter Gewinne.

Was ist das CAPE-Shiller-Verhältnis und welche Frage beantwortet es?

Das CAPE-Shiller-Verhältnis misst, wie hoch der US-Aktienmarkt im Verhältnis zu einem geglätteten Gewinnniveau bewertet ist. CAPE steht für Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio, also für ein zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis. Häufige Bezeichnungen sind Shiller-KGV und Shiller PE Ratio.

Die Kennzahl beantwortet eine langfristige Bewertungsfrage: Wie teuer sind Aktien gemessen an den durchschnittlichen, realen Gewinnen eines vollständigen Konjunkturzyklus? Im Mittelpunkt steht damit nicht der Gewinn eines einzelnen Jahres, sondern ein breiterer Maßstab für die Ertragskraft des Marktes.

Für die Berechnung wird der reale Wert eines Aktienindex, meist des S&P 500, einem inflationsbereinigten Gewinnmaß gegenübergestellt. Die Gewinnreihe deckt einen langen Zeitraum ab. Dadurch fällt der Einfluss außergewöhnlich guter oder schwacher Unternehmensjahre weniger stark ins Gewicht.

Das CAPE dient vor allem zur Einordnung der langfristigen Aktienbewertung. Ein hoher Wert weist auf anspruchsvolle Gewinnerwartungen oder einen hohen Preis hin. Ein niedriger Wert kann auf eine günstigere Ausgangsbewertung hindeuten. Beides sind jedoch keine direkten Signale für den nächsten Börsentag, Monat oder sogar das nächste Jahr.

Die historischen Reihen von Robert Shiller ermöglichen Vergleiche über viele Jahrzehnte. Multpl bereitet sie auf und verbindet unter anderem Aktienkurse, Unternehmensgewinne, Dividenden und Preisindizes. So lässt sich untersuchen, wie sich die Bewertung des US-Marktes verändert hat und welche langfristigen Renditen auf unterschiedliche Ausgangsniveaus folgten.

Wichtig bleibt die richtige Lesart: Das CAPE zeigt eine Bewertungssituation, keine sichere Kursprognose. Ein Markt kann lange teuer bleiben, wenn Gewinne wachsen, Zinsen sinken oder Anleger dauerhaft höhere Bewertungsmultiplikatoren akzeptieren. Umgekehrt kann ein niedriges CAPE trotz günstiger Ausgangslage zunächst weiter fallen.

Wie wird das Shiller-KGV aus inflationsbereinigten Gewinnen berechnet?

Das Shiller-KGV setzt den realen Kurs des S&P 500 ins Verhältnis zu einem geglätteten Gewinn je Aktie. Die Berechnung lässt sich vereinfacht so schreiben:

CAPE = realer Aktienkurs ÷ durchschnittlicher realer Gewinn der vergangenen zehn Jahre

Zuerst werden die historischen Gewinne mit einem Preisindex auf die Kaufkraft des aktuellen Monats umgerechnet. Dadurch stehen alte und neue Gewinnwerte auf einer vergleichbaren Basis. Ein Gewinn aus einem früheren Jahr wird also nicht unverändert neben einem heutigen Gewinn verwendet.

Anschließend bildet man aus diesen realen Gewinnen einen Zehnjahresdurchschnitt. Diese Glättung nimmt einzelnen Rezessionsjahren, Boomphasen und außergewöhnlichen Unternehmensgewinnen einen Teil ihres Einflusses. Das Ergebnis ist weniger sprunghaft als ein KGV, das nur den Gewinn der letzten zwölf Monate nutzt.

In den historischen Reihen von Robert Shiller werden dafür Monatsdaten zu Kursen, Gewinnen, Dividenden und Verbraucherpreisen verbunden. Ab 1926 stammen Gewinn- und Dividendenreihen aus den S&P-Totals der jeweils zurückliegenden vier Quartale. Diese Werte werden linear auf Monatswerte übertragen. Für die Zeit vor 1926 fließen ältere Reihen von Cowles and Associates ein, deren Jahreswerte ebenfalls auf Monatswerte umgerechnet wurden.

Bei den Kursen handelt es sich um monatliche Durchschnittswerte täglicher Schlusskurse. Für die Inflationsanpassung wird ab 1913 der CPI-U des US Bureau of Labor Statistics verwendet. Frühere Jahre werden mit dem historischen Warren-Pearson-Preisindex verknüpft. Diese langen Reihen sind daher historische Rekonstruktionen und keine lückenlose Echtzeitmessung.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt das Prinzip: Beträgt der reale Indexkurs 4.000 Punkte und der durchschnittliche reale Zehnjahresgewinn 200 Punkte, ergibt sich ein CAPE von 20. Der Wert bedeutet nicht, dass der Markt in genau 20 Jahren seinen Preis verdient. Er beschreibt lediglich das Verhältnis zwischen Preis und geglätteter realer Ertragsbasis.

Die Datenaufbereitung bei Multpl macht diese Zeitreihen zugänglich. Bei historischen Vergleichen sollten Anleger den Datenstand, mögliche Revisionen und methodische Brüche beachten. Ein CAPE-Wert ist nur dann sinnvoll vergleichbar, wenn Zähler und Nenner nach derselben Methode ermittelt wurden.

CAPE-Shiller-Verhältnis: Kennzahlen, Aussagekraft und Grenzen im Überblick

Aspekt Beschreibung Bedeutung für Anleger
Definition Das CAPE ist das Verhältnis des realen Aktienkurses zum durchschnittlichen realen Gewinn der vergangenen zehn Jahre. Es misst die langfristige Bewertung des US-Aktienmarkts.
Berechnungsgrundlage Verwendet werden inflationsbereinigte Gewinne und ein geglätteter Zehnjahresdurchschnitt. Kurzfristige Gewinnschwankungen beeinflussen die Kennzahl weniger stark.
Hohes CAPE Der Aktienkurs ist im Verhältnis zur langfristigen Ertragsbasis hoch. Die erwartbare langfristige Rendite kann geringer sein; ein sofortiger Kursrückgang folgt daraus nicht.
Niedriges CAPE Der Marktpreis liegt vergleichsweise niedrig gegenüber den geglätteten realen Gewinnen. Die langfristige Renditechance kann höher sein, dennoch sind weitere Kursverluste möglich.
Vergleich mit dem klassischen KGV Das klassische KGV nutzt meist aktuelle oder erwartete Gewinne, während das CAPE zehn Jahre realer Gewinne glättet. Das KGV eignet sich eher für kurzfristige Gewinnanalysen, das CAPE für langfristige Bewertungszyklen.
Gewinnrendite Sie entspricht näherungsweise dem Kehrwert des CAPE. Sie erleichtert den Vergleich der Aktienbewertung mit Anleiherenditen.
Total-Return-CAPE Diese Variante berücksichtigt neben Dividenden auch die Wirkung von Aktienrückkäufen. Historische Bewertungsvergleiche können dadurch die veränderte Ausschüttungspolitik besser abbilden.
Historische Daten Die Shiller-Reihen reichen bei Multpl bis 1871 zurück und enthalten unter anderem Kurse, Gewinne, Dividenden und Preisindizes. Langfristige Bewertungszyklen und Extremwerte lassen sich über viele Jahrzehnte untersuchen.
Einfluss der Zinsen Sinkende Anleiherenditen können höhere Aktienmultiplikatoren begünstigen; steigende Renditen erhöhen häufig den Bewertungsdruck. Das CAPE sollte zusammen mit der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen betrachtet werden.
Prognosekraft Das CAPE liefert statistische Hinweise für langfristige Renditeerwartungen, aber keine präzise Kursprognose. Es eignet sich nicht als zuverlässiges Signal für das Timing einzelner Börsentage, Monate oder Jahre.
Wichtige Grenzen Indexzusammensetzung, Gewinnmargen, Rechnungslegung und Wirtschaftsstruktur verändern sich über die Zeit. Historische Durchschnittswerte sind Orientierungspunkte, aber keine unveränderlichen Normalwerte.
Geeigneter Einsatz Das CAPE unterstützt die strategische Asset-Allokation und die Einordnung langfristiger Markterwartungen. Es sollte mit KGV, Gewinnwachstum, Dividendenrendite, Anleiherenditen und Marktstruktur kombiniert werden.

CAPE und klassisches KGV im direkten Vergleich

Das klassische KGV und das CAPE teilen den Aktienkurs durch einen Gewinn je Aktie. Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitraum und in der Aufbereitung dieses Gewinns. Das klassische KGV nutzt meist den Gewinn der vergangenen zwölf Monate oder eine Gewinnschätzung für die kommenden zwölf Monate. Das CAPE verwendet dagegen einen langfristig geglätteten realen Gewinn.

  • Klassisches KGV: aktueller Kurs geteilt durch den Gewinn je Aktie eines kurzen Zeitraums.
  • CAPE: aktueller realer Kurs geteilt durch den durchschnittlichen realen Gewinn einer langen historischen Reihe.

Diese Unterschiede führen in verschiedenen Konjunkturphasen zu deutlich abweichenden Ergebnissen. Nach einer Rezession kann das KGV sehr hoch erscheinen, weil der aktuelle Gewinn stark eingebrochen ist. Das CAPE reagiert meist weniger heftig, da schwache Jahre nur einen Teil seiner Gewinnbasis bilden. In einer Gewinnblase kann das kurzfristige KGV dagegen ungewöhnlich niedrig wirken, obwohl die Erträge kaum dauerhaft tragfähig sind.

Das klassische KGV ist deshalb besonders nützlich, wenn Anleger die aktuelle Gewinnsituation eines Unternehmens oder Index beurteilen möchten. Es reagiert schnell auf neue Geschäftszahlen. Genau diese Schnelligkeit ist aber auch seine Schwäche: Ein einzelnes Krisenjahr, ein Sondereffekt oder eine ungewöhnlich hohe Marge kann das Ergebnis stark verzerren.

Das CAPE eignet sich eher für die strategische Betrachtung des gesamten US-Aktienmarkts. Es filtert kurzfristiges Rauschen und macht langfristige Bewertungszyklen sichtbarer. Für einzelne Unternehmen ist die Kennzahl dagegen nur eingeschränkt sinnvoll, weil deren Geschäftsmodelle, Bilanzstrukturen und Wachstumsphasen sehr unterschiedlich sind.

Auch das CAPE hat Grenzen. Es reagiert träge auf strukturelle Veränderungen und kann dadurch wirtschaftliche Umbrüche nur langsam abbilden. Veränderte Rechnungslegung, andere Gewinnmargen, neue Branchen sowie eine veränderte Zusammensetzung des Index erschweren direkte Vergleiche über viele Jahrzehnte.

Für den S&P 500 sollten beide Kennzahlen nebeneinander stehen. Das KGV zeigt eher, wie der Markt auf aktuelle oder erwartete Gewinne bewertet wird. Das CAPE liefert den längeren Blick. Weichen beide Werte stark voneinander ab, lohnt sich die Suche nach dem Grund: Sind die Gewinne gerade zyklisch verzerrt, oder hat sich die Ertragskraft des Marktes nachhaltig verändert?

Was sagt ein hohes oder niedriges CAPE über die Aktienbewertung aus?

Ein hohes CAPE signalisiert, dass Anleger für einen Dollar langfristiger, realer Unternehmensgewinne einen hohen Preis zahlen. Das kann auf eine anspruchsvolle Bewertung hindeuten. Zugleich kann es Ausdruck dauerhaft höherer Gewinnmargen, eines starken Produktivitätswachstums oder eines niedrigeren allgemeinen Zinsniveaus sein.

Ein niedriges CAPE weist auf einen geringeren Preis im Verhältnis zur geglätteten Ertragsbasis hin. Historisch bot eine solche Ausgangslage oft mehr Spielraum für reale Renditen. Sie kann aber auch berechtigt sein, etwa bei schwacher Wirtschaft, politischen Risiken, fallenden Margen oder einer strukturell geringeren Ertragskraft.

Die sinnvollste Frage lautet daher nicht: „Ist der Markt teuer oder billig?“ Besser ist: Welche Erwartungen sind bereits im Preis enthalten, und wie viel Enttäuschung kann der Markt verkraften? Ein hohes Verhältnis lässt wenig Raum für schwächeres Gewinnwachstum. Bei einem niedrigen Verhältnis kann dagegen schon eine moderate Verbesserung die Bewertung stützen.

Ein einzelner CAPE-Wert reicht für diese Einschätzung nicht aus. Prüfen Sie zusätzlich, ob sich die Gewinnmargen, die Branchenstruktur und die Kapitalkosten verändert haben. Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist wichtig: Sinkende Anleiherenditen können höhere Aktienmultiplikatoren teilweise erklären, während steigende Zinsen den Bewertungsdruck erhöhen können.

Historische Vergleiche funktionieren deshalb nur mit Augenmaß. Die Zusammensetzung des S&P 500, die internationale Ausrichtung der Unternehmen und die Bedeutung technologieintensiver Geschäftsmodelle haben sich verändert. Ein Vergleich mit einem früheren Extremwert ist ein Orientierungspunkt, aber kein Urteilsspruch.

Ebenso wenig liefert das CAPE ein präzises Verkaufssignal. Hohe Bewertungen können über Jahre bestehen bleiben und sich durch steigende Gewinne allmählich normalisieren. Umgekehrt kann ein niedriges CAPE weiter sinken, wenn die Gewinnbasis einbricht oder das Vertrauen der Anleger schwindet.

Für eine nüchterne Analyse sollten Anleger drei Ebenen trennen:

  • Bewertung: Wie hoch ist der Preis im Verhältnis zu den langfristigen Gewinnen?
  • Fundamentaldaten: Sind Gewinne, Margen und Produktivität stabil oder nur vorübergehend stark?
  • Alternativen: Wie attraktiv wirken Aktien im Vergleich zu Anleihen und anderen Anlageklassen?

Das CAPE ist damit eher ein Thermometer als eine Uhr. Es zeigt die Spannung im Bewertungsniveau, sagt aber nicht zuverlässig, wann sich der Markt bewegt.

Historische Bewertungszyklen und Extremwerte des US-Aktienmarkts

Die langfristige Geschichte des US-Aktienmarkts zeigt mehrere markante Bewertungszyklen. Besonders hohe CAPE-Niveaus traten meist in Phasen auf, in denen Anleger starkes Gewinnwachstum, technologische Umbrüche oder dauerhaft steigende Kurse erwarteten. Niedrige Werte fielen dagegen häufig mit Rezessionen, Finanzkrisen oder großer wirtschaftlicher Unsicherheit zusammen.

Eine der bekanntesten Hochphasen lag in den späten 1920er-Jahren. Der spekulative Boom trieb Aktienkurse und Bewertungen deutlich nach oben. Auf den Börsencrash von 1929 folgte eine lange Phase fallender Kurse. Das Beispiel zeigt: Extreme Bewertungen können vor einem starken Rückgang auftreten, liefern aber keinen exakten Zeitpunkt für dessen Beginn.

Ein weiteres historisches Tief entstand während der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Damals belasteten einbrechende Gewinne, Deflation und hohe Arbeitslosigkeit die Unternehmen. Ein niedriges CAPE spiegelte die gedrückte Stimmung wider. Es bedeutete nicht, dass die wirtschaftliche Lage bereits stabil war.

In den 1960er-Jahren erreichte die Bewertung erneut ein hohes Niveau. Die sogenannte „Nifty Fifty“-Phase war von der Vorstellung geprägt, einige große Qualitätsunternehmen könnten unabhängig vom Preis dauerhaft wachsen. Später führten hohe Inflation, steigende Zinsen und schwächeres Wachstum zu einer Neubewertung des Marktes.

Besonders ausgeprägt war der Bewertungsanstieg während der Technologieblase Ende der 1990er-Jahre. Das CAPE erreichte damals einen historischen Extrembereich. Viele Unternehmen wurden nach ihrer Wachstumsgeschichte bewertet, obwohl Gewinne und Geschäftsmodelle teils noch unsicher waren. Der anschließende Einbruch der Technologiewerte veränderte die Marktstruktur erheblich.

Auch die Finanzkrise 2008/2009 prägte die Zeitreihe. Fallende Kurse und stark belastete Gewinne beeinflussten das Verhältnis gleichzeitig. Dadurch wird sichtbar, dass ein CAPE nicht nur den Preis, sondern auch die Qualität und Zusammensetzung der zugrunde liegenden Gewinnreihe abbildet.

Für historische Vergleiche sind deshalb mehrere Prüfungen nötig:

  • Extremwert: Bezieht sich der Vergleich auf ein Monatsmaximum, einen Jahresdurchschnitt oder einen bestimmten Stichtag?
  • Datenbasis: Wurden Kurse, Gewinne und Preisindizes nach derselben historischen Methode ermittelt?
  • Marktstruktur: Welche Branchen und Unternehmen dominierten den Index damals?
  • Wirtschaftsumfeld: Wie unterschieden sich Inflation, Zinsen, Steuern und Gewinnmargen?

Die historischen Monatsreihen von Robert Shiller reichen bis 1871 zurück. Multpl stellt daraus unter anderem das Shiller-KGV, das S&P-500-KGV, die Dividendenrendite, die Gewinne und historische Indexkurse bereit. Die Werte sollten stets mit Abrufdatum, Zeitraum und verwendeter Definition dokumentiert werden.

Ein Extremwert markiert somit eine ungewöhnliche Kombination aus Preis, Gewinnbasis und Anlegererwartungen. Erst der Vergleich mit Zinsen, Gewinnentwicklung und späteren realen Renditen macht den historischen Befund belastbarer.

Wie beeinflusst das CAPE die langfristig erwartbare Aktienmarktrendite?

Das CAPE beeinflusst die langfristig erwartbare Aktienmarktrendite vor allem über die Bewertung zu Beginn des Anlagezeitraums. Ein hoher Einstiegsmultiplikator lässt weniger Raum für weitere Kurssteigerungen durch eine Ausweitung der Bewertung. Bei einem niedrigen Multiplikator kann dagegen schon eine teilweise Normalisierung die Rendite unterstützen.

Vereinfacht setzt sich die langfristige nominale Aktienrendite aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • Gewinnwachstum: Steigen die Unternehmensgewinne je Aktie?
  • Ausschüttungen: Welche Erträge stammen aus Dividenden und Rückkäufen?
  • Bewertungsänderung: Wird am Ende ein höheres oder niedrigeres CAPE bezahlt?
  • Inflation: Wie verändert sich die Kaufkraft der nominalen Erträge?

Eine hohe Ausgangsbewertung wirkt dabei wie ein Gegenwind. Selbst kräftiges Gewinnwachstum kann dann nur moderate Renditen ermöglichen, wenn das Bewertungsniveau später sinkt. Umgekehrt kann ein niedriger Startwert die reale Rendite stärken, sofern sich Gewinne, Wirtschaft und Anlegervertrauen stabilisieren.

Die historische Auswertung langer US-Zeitreihen zeigt deshalb einen statistischen Zusammenhang zwischen Ausgangsbewertung und späterer realer Rendite. Dieser Zusammenhang ist über längere Horizonte meist robuster als über kurze Zeiträume. Für einzelne Jahre oder Börsenphasen bleibt die Streuung jedoch groß.

Ein wichtiger Unterschied betrifft die Renditeart. Nominale Renditen messen den Zuwachs in Geld. Reale Renditen berücksichtigen zusätzlich den Kaufkraftverlust durch Inflation. Ein Markt kann nominal steigen und real dennoch enttäuschen, wenn die Teuerung hoch bleibt.

Die Gewinnrendite ist der Kehrwert des CAPE. Bei einem CAPE von 25 läge sie rechnerisch bei 4 %, bevor Wachstum, Ausschüttungen, Inflation und Bewertungsänderungen berücksichtigt werden. Diese Zahl ist keine erwartete Gesamtrendite, sondern nur ein grober Startpunkt für die Ertragsbetrachtung.

Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verändert den Vergleichsmaßstab. Liegen sichere Anleiherenditen deutlich höher, müssen Aktien oft eine attraktivere Gewinnrendite bieten. Bei niedrigen Anleiherenditen können Anleger dagegen höhere Aktienbewertungen akzeptieren. Das erklärt jedoch nicht jede Marktbewegung.

Die von Robert Shiller dokumentierten Jahresdaten seit 1871 und die bei Multpl verfügbaren Reihen helfen, solche Zusammenhänge über viele Marktphasen zu untersuchen. Sie zeigen Wahrscheinlichkeiten und Spannbreiten, keine verlässliche Zielrendite.

Welche Kennzahlen ergänzen das CAPE bei der S&P-500-Bewertung?

Das CAPE sollte bei der S&P-500-Bewertung nicht allein stehen. Erst der Vergleich mit aktuellen Gewinnen, Ausschüttungen und konkurrierenden Renditen zeigt, wie anspruchsvoll die Marktlage tatsächlich ist.

  • Klassisches KGV des S&P 500: Es zeigt, welchen Preis Anleger für die aktuellen oder erwarteten Gewinne zahlen. Der Vergleich mit dem CAPE macht sichtbar, ob die kurzfristigen Gewinne gerade ungewöhnlich hoch oder niedrig sind.
  • Gewinne des S&P 500: Die Gewinnentwicklung erklärt, ob eine hohe Bewertung durch reales Wachstum gestützt wird. Wichtig sind dabei Umsatz, Gewinnmargen, Produktivität und die Zahl der ausstehenden Aktien.
  • Gewinnrendite: Sie ist der Kehrwert des KGV. Ein KGV von 20 entspricht rechnerisch einer Gewinnrendite von 5 %. Diese Sichtweise erleichtert den Vergleich mit Anleihen.
  • Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen: Sie dient als grober Referenzwert für langfristige, nominelle Anleiheerträge. Steigende Renditen erhöhen häufig die Opportunitätskosten von Aktien. Entscheidend bleibt aber, ob die Anleiherendite nominal oder inflationsbereinigt betrachtet wird.
  • Dividendenrendite des S&P 500: Sie zeigt den laufenden Barausschüttungsanteil des Index. Eine niedrige Dividendenrendite bedeutet nicht automatisch eine schlechte Bewertung, weil Unternehmen Gewinne zunehmend über Rückkäufe oder Investitionen verwenden.
  • Historischer S&P-500-Kurs: Der Kursverlauf liefert den zeitlichen Kontext. Ohne Gewinn- und Inflationsdaten sagt ein Indexstand allein jedoch wenig über die Bewertung aus.

Besonders hilfreich ist die Kombination aus Gewinnrendite und Anleiherendite. Liegt die Gewinnrendite deutlich über der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, besteht ein größerer Ertragsabstand. Dieser Abstand wird oft als grobe Aktien-Risikoprämie betrachtet. Er ist keine präzise Prognose, weil Aktiengewinne schwanken und Anleihen andere Risiken tragen.

Bei diesem Vergleich sollten Anleger die Laufzeit und die Ertragsart sauber trennen. Die Gewinnrendite bezieht sich auf Unternehmensgewinne, die Anleiherendite auf vertraglich definierte Zinszahlungen. Eine direkte Gleichsetzung wäre daher zu simpel.

Ein sinnvoller Analyseablauf umfasst mehrere Schritte:

  • aktuelles KGV und CAPE nebeneinander betrachten,
  • Gewinnwachstum und Margenentwicklung prüfen,
  • Gewinnrendite mit der zehnjährigen US-Anleiherendite vergleichen,
  • Dividenden und Aktienrückkäufe gemeinsam als Ausschüttungen erfassen,
  • historische Kurse nur zusammen mit realen Gewinnen und Inflation bewerten.

Die bei Multpl verfügbaren Reihen zu Shiller-KGV, KGV, Anleiherendite, Dividenden, S&P-500-Gewinnen und Indexkursen erleichtern diese Gegenüberstellung. Vor jedem Vergleich sollten Anleger prüfen, ob die Daten denselben Stichtag und dieselbe Berechnungsmethode haben.

Was ist das Total-Return-CAPE und warum berücksichtigt es Aktienrückkäufe?

Das Total-Return-CAPE ist eine alternative Variante des Shiller-KGVs. Es wurde im September 2018 in den historischen Daten von Robert Shiller ergänzt. Die Methode betrachtet nicht nur ausgeschüttete Dividenden, sondern die gesamte Wirkung der Ausschüttungspolitik auf die langfristige Aktienrendite.

Der Hintergrund hat sich im US-Aktienmarkt deutlich verändert: Unternehmen zahlen heute einen größeren Teil ihrer Mittel über Aktienrückkäufe an Anleger zurück. Beim Rückkauf sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien. Dadurch kann der Gewinn je Aktie steigen, selbst wenn der Gesamtgewinn des Unternehmens kaum wächst.

Ein klassisches CAPE, das vor allem mit Dividenden und historischen Gewinnen arbeitet, bildet diese Verschiebung nicht vollständig ab. Der Markt kann dadurch im Zeitvergleich weniger rentabel erscheinen, als er aus Sicht eines Anlegers tatsächlich war. Genau hier setzt das Total-Return-CAPE an.

  • Dividenden werden als wiederangelegte Ausschüttungen berücksichtigt.
  • Die Gewinnreihe je Aktie wird an diese Wiederanlage angepasst.
  • Aktienrückkäufe fließen indirekt in die Betrachtung der Gesamtrendite ein.
  • Verzerrungen durch den Wandel von Dividenden zu Rückkäufen sollen sinken.

Das Verfahren verändert also nicht einfach den Aktienkurs. Es passt die Ertragsseite so an, dass die unterschiedliche Ausschüttungspolitik verschiedener Zeiträume besser vergleichbar wird. Das ist besonders wichtig, wenn ältere Marktphasen mit einer Gegenwart verglichen werden, in der Rückkäufe eine größere Rolle spielen.

Die methodische Diskussion stützt sich unter anderem auf Arbeiten von Bunn und Shiller aus dem Jahr 2014 sowie von Jivraj und Shiller aus dem Jahr 2017. Beide Beiträge liefern Bausteine für die Anpassung der Gewinn- und Renditebetrachtung. Sie beweisen jedoch nicht, dass das Total-Return-CAPE künftige Kurse zuverlässig vorhersagt.

Für die Praxis bedeutet das: Das Total-Return-CAPE ist eine ergänzende Perspektive, kein Ersatz für das klassische CAPE. Ein Vergleich beider Varianten kann zeigen, wie stark Dividenden, Rückkäufe und die Entwicklung des Gewinns je Aktie das historische Bewertungsbild beeinflussen.

Auch diese Variante bleibt von Annahmen abhängig. Wiederanlagezeitpunkte, Indexmethodik, Datenrevisionen und die Abgrenzung der Gewinnreihe können das Ergebnis verändern. Deshalb sollten Anleger bei jedem Wert den Datenstand und die genaue Definition prüfen.

Wie entstehen die historischen Shiller-Daten bei Multpl seit 1871?

Die historischen Shiller-Daten bei Multpl beruhen auf einer langen, zusammengesetzten US-Zeitreihe. Sie beginnt im Jahr 1871 und umfasst monatliche Angaben zu Aktienkursen, Dividenden, Unternehmensgewinnen, Verbraucherpreisen sowie daraus abgeleiteten realen Werten. Multpl stellt diese Daten online bereit und bereitet sie für historische Vergleiche auf; die zugrunde liegenden Reihen stammen aus den Datensammlungen von Robert Shiller.

Für die Zeit ab 1926 werden Dividenden und Gewinne aus den S&P-Totals der jeweils vergangenen vier Quartale abgeleitet. Da viele Ausgangsdaten nicht monatlich vorliegen, erfolgt eine lineare Interpolation. Dabei wird ein Quartalswert rechnerisch auf die dazwischenliegenden Monate verteilt. Das erzeugt eine gleichmäßige Monatsreihe, ist aber keine zusätzliche Unternehmensmeldung.

Vor 1926 greifen die historischen Reihen auf Daten von Cowles and Associates zurück. Jährliche Werte werden für die Monatsdarstellung umgerechnet. Dieser Abschnitt ist deshalb methodisch nicht vollständig identisch mit der späteren S&P-Datenbasis. Direkte Vergleiche über den Übergang hinweg sollten solche Brüche berücksichtigen.

Die monatlichen Aktienkurse entsprechen Durchschnittswerten täglicher Schlusskurse. Sie sind damit keine einzelnen Monatsendstände. Für die Preisbereinigung verwendet die Reihe ab 1913 den CPI-U des U.S. Bureau of Labor Statistics. Für die früheren Jahre ist dieser Index mit dem historischen Warren-Pearson-Preisindex verknüpft.

Aus diesen Bausteinen entstehen nominale und inflationsbereinigte Reihen. Die reale Darstellung entfernt den Einfluss veränderter Preise und macht historische Gewinne sowie Kurse besser vergleichbar. Sie beseitigt jedoch nicht alle Unterschiede zwischen den Epochen.

  • Historische Datenrevisionen: Frühere Werte können nachträglich angepasst werden.
  • Methodische Brüche: Quellen, Indexzusammensetzung und Berechnungsverfahren wechselten im Zeitverlauf.
  • Interpolation: Monatliche Werte sind teilweise rechnerisch aus Quartals- oder Jahresdaten abgeleitet.
  • Definitionen: Gewinn, Dividende und Indexkurs müssen über den gesamten Zeitraum nicht exakt dieselbe Bedeutung haben.

Die Datenseite Shiller PE Ratio bei Multpl ist damit eine praktische Aufbereitung öffentlich zugänglicher historischer Finanzdaten. Für wissenschaftliche oder besonders genaue Analysen empfiehlt sich zusätzlich der Abgleich mit der jeweils aktuellen Originaldatei von Robert Shiller.

Welche weiteren Shiller-Datensätze helfen bei der Markteinordnung?

Neben den Bewertungsreihen bietet die Datensammlung weitere Bausteine für die Einordnung des US-Aktienmarkts. Sie ersetzen keine Kurs- oder Gewinnanalyse. Ihr Nutzen liegt darin, Erwartungen, Zinsumfeld und langfristige Vergleichsmaßstäbe gemeinsam zu betrachten.

Die Stock Market Confidence Indexes erfassen die Einschätzungen von Anlegern seit 1989. Die Yale School of Management entwickelte diese Umfragen in Zusammenarbeit mit Fumiko Kon-Ya und Yoshiro Tsutsui. Sie unterscheiden unter anderem zwischen der Einschätzung professioneller und privater Marktteilnehmer.

Solche Stimmungsdaten zeigen, wie stark Vertrauen, Skepsis oder spekulative Erwartungen ausgeprägt sind. Sie messen jedoch keine faire Bewertung. Ein sehr optimistisches Umfeld kann eine hohe Risikobereitschaft anzeigen, ohne dass daraus unmittelbar fallende Kurse folgen.

Ergänzend sind frühere Untersuchungen zur Aktienspekulation verfügbar. Dazu gehört der Bericht Results of Surveys about Stock Market Speculation vom Dezember 1999. Er dokumentiert die damalige Wahrnehmung des Marktes und ist besonders für die Analyse der Technologieblase interessant.

Für längerfristige Vergleiche stehen außerdem jährliche Datenreihen seit 1871 bereit. Sie umfassen Aktien, Anleihen, Zinssätze und Konsum. Die Reihen gehen unter anderem auf Kapitel 26 aus Market Volatility von 1989 zurück und wurden später überarbeitet.

Diese Jahresdaten helfen, Aktienrenditen nicht isoliert zu betrachten. Ein CAPE-Wert erhält mehr Kontext, wenn Anleger zugleich prüfen, wie sich Anleiherenditen, Zinsen und Konsum über einen ähnlichen Zeitraum entwickelten. So wird erkennbar, ob eine Bewertungsphase in ein breiteres wirtschaftliches Muster eingebettet war.

Zur gesamten Datensammlung gehören auch Immobilienreihen. Für die Aktienbewertung sind sie nur am Rand relevant. Die von Robert Shiller und Karl Case entwickelten Hauspreisindizes umfassen unter anderem 20 US-Großstadtregionen, weitere Marktsegmente und einen nationalen US-Index. Heute werden diese Reihen von CoreLogic erstellt.

Historische US-Hauspreise reichen bis 1890 zurück. Zusätzlich existieren Daten zu Einzelobjekten, die zwischen 1970 und 1986 zweimal in Atlanta, Chicago, Dallas oder Oakland verkauft wurden. Diese alten Transaktionsdaten dienen vor allem Forschungszwecken und sollten nicht mit aktuellen Immobilienindikatoren gleichgesetzt werden.

Für die Aktienmarkteinordnung bleibt die Gewichtung klar:

  • Bewertungsreihen zeigen den Preis im Verhältnis zu Gewinnen.
  • Stimmungsindizes zeigen Erwartungen und Risikobereitschaft.
  • Zins- und Anleihedaten liefern den Vergleich zu festverzinslichen Anlagen.
  • Konsumdaten helfen bei der Einordnung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Multpl bündelt ausgewählte Reihen von Robert Shiller in zugänglicher Form. Für eine belastbare Analyse sollten Nutzer den jeweiligen Datensatz, Zeitraum und Aktualisierungsstand prüfen. Besonders bei langen Reihen können historische Revisionen und wechselnde Definitionen das Ergebnis beeinflussen.

Wie zuverlässig ist das CAPE für langfristige Anleger?

Das CAPE-Shiller-Verhältnis ist für langfristige Anleger nützlich, wenn sie es als Bewertungsrahmen und nicht als punktgenaues Prognosewerkzeug einsetzen. Seine Stärke liegt in der Verbindung von Preis und langfristiger Ertragskraft. Daraus entsteht ein ruhigerer Blick auf den Markt als bei kurzfristigen Gewinnkennzahlen.

Die Aussagekraft steigt mit dem Anlagehorizont. Über wenige Monate können Kurse stark durch Liquidität, Nachrichten, Kreditbedingungen oder Anlegerstimmung geprägt sein. Über viele Jahre gewinnen dagegen Gewinnentwicklung, Ausschüttungen und die am Anfang gezahlte Bewertung an Gewicht.

Dennoch bleibt das CAPE anfällig für strukturelle Veränderungen. Der S&P 500 ist heute anders zusammengesetzt als vor mehreren Jahrzehnten. Technologieunternehmen, internationale Umsätze, immaterielle Investitionen und veränderte Gewinnmargen beeinflussen die Vergleichbarkeit. Ein historischer Durchschnitt ist deshalb kein unveränderlicher Normalwert.

Auch die Rechnungslegung kann das Bild verschieben. Forschungsausgaben, Abschreibungen, Rückstellungen und die Behandlung von Rückkäufen wirken auf ausgewiesene Gewinne. Die CAPE-Reihe glättet solche Schwankungen, beseitigt ihre wirtschaftliche Bedeutung aber nicht vollständig.

Eine weitere Grenze ist die Stichprobe. Die historische US-Reihe umfasst viele Jahre, aber nur einen Markt. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, wie Aktien in Europa, Schwellenländern oder einzelnen Branchen bewertet werden sollten. Für ein einzelnes Unternehmen ist das Verhältnis noch weniger geeignet.

Verlässlicher wird die Nutzung durch einen festen Prüfprozess:

  • Zeithorizont festlegen: Das CAPE vor allem für mehrjährige oder jahrzehntelange Fragen verwenden.
  • Definition prüfen: Klassisches CAPE und Total-Return-CAPE nicht vermischen.
  • Ertragskraft hinterfragen: Margen, Gewinne je Aktie und Rückkäufe getrennt betrachten.
  • Alternativen einbeziehen: KGV, Gewinnrendite, Dividendenrendite und Anleiherenditen ergänzend prüfen.
  • Unsicherheit akzeptieren: Eine Bewertungskennzahl liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Zusage.

Für langfristige Anleger lautet das nüchterne Urteil: Das CAPE kann die erwartbare Rendite besser einordnen als viele kurzfristige Indikatoren. Es kann helfen, Euphorie und Pessimismus historisch zu erkennen. Es sagt aber nicht, wann eine Abweichung endet oder wie der Markt bis dahin verläuft.

Der Artikel dient der Information und ersetzt keine persönliche Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung. Vergangene Zusammenhänge garantieren keine künftigen Renditen.

Fazit: CAPE als Bewertungsrahmen statt als präzises Timing-Signal

Das CAPE-Shiller-Verhältnis ist am wertvollsten, wenn Anleger es als langfristigen Bewertungsrahmen nutzen. Es verdichtet Preis und Ertragskraft des US-Aktienmarkts zu einer Kennzahl, ersetzt aber keine eigene Prüfung der Gewinnqualität, Zinsen und Marktstruktur.

Für eine belastbare Einordnung sollten die Daten immer im selben Bezugsrahmen stehen: gleicher Stichtag, gleiche Definition und klarer Datenstand. Das gilt besonders beim Vergleich des klassischen Shiller-KGVs mit dem Total-Return-CAPE sowie bei historischen Reihen von Kursen, Gewinnen, Dividenden und Anleiherenditen.

Multpl ist dafür eine praktische Anlaufstelle. Die Plattform bereitet öffentlich zugängliche Shiller-Daten zum US-Aktienmarkt auf und stellt unter anderem Zeitreihen zum Shiller-KGV, zum KGV des S&P 500, zur Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, zur Dividendenrendite und zu den Indexgewinnen bereit.

Der sinnvollste Einsatz besteht in Szenarien statt in Punktprognosen:

  • Basisszenario: Gewinne und Bewertungsniveau entwickeln sich ungefähr im historischen Rahmen.
  • Positives Szenario: Produktivität und Gewinne steigen stärker als erwartet.
  • Negatives Szenario: Margen sinken, Zinsen steigen oder die Bewertung normalisiert sich.

So entsteht kein scheinbar exakter Zielwert, sondern ein Spektrum möglicher Ergebnisse. Das schützt vor der verbreiteten Annahme, ein bestimmtes CAPE müsse sofort zu einem Kurswechsel führen.

Für Anleger außerhalb der USA bleibt zudem die Übertragbarkeit begrenzt. Andere Länder unterscheiden sich bei Indexzusammensetzung, Rechnungslegung, Inflation, Steuern und Ausschüttungspolitik. Das Shiller-KGV des S&P 500 ist daher kein universeller Maßstab für jede Aktie und jeden Markt.

Das abschließende Urteil fällt sachlich aus: CAPE kann die langfristige Renditeerwartung schärfen und historische Bewertungsphasen vergleichbar machen. Es ist jedoch kein präzises Timing-Signal und keine Garantie für künftige Erträge.