Wie funktionieren Staatsanleihen und was man bei der Investition beachten sollte

Autor: Provimedia GmbH

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Kategorie: Finanzwissen

Zusammenfassung: Staatsanleihen sind Kredite von Anlegern an Staaten, die dafür Zinsen zahlen und das Kapital meist bei Fälligkeit zurückzahlen. Wichtige Faktoren sind Nennwert, Kupon, Laufzeit, Rendite sowie Zins-, Bonitäts-, Inflations- und Währungsrisiken.

Was sind Staatsanleihen und wie finanzieren sie Staaten?

Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen eines Staates. Mit ihrer Ausgabe nimmt der Staat Geld bei Anlegern auf. Dafür verpflichtet er sich, die Bedingungen der Anleihe einzuhalten. Dazu gehören meist Zinszahlungen und die Rückzahlung des Nennwerts.

Für den Staat sind Staatsanleihen ein Finanzierungsinstrument. Steuereinnahmen reichen nicht immer aus, um alle Ausgaben sofort zu decken. Dazu zählen zum Beispiel Investitionen, Sozialleistungen oder die Rückzahlung älterer Schulden. Der Staat kann deshalb neue Anleihen ausgeben und seinen Finanzbedarf über den Kapitalmarkt decken.

Der Ablauf lässt sich in drei Schritte teilen:

Die erstmalige Ausgabe heißt Emission. Dabei werden unter anderem Nominalwert, Laufzeit, Währung und Zinsbedingungen festgelegt. Der Nominalwert ist der Betrag, auf den sich die Rückzahlung bezieht. Er muss nicht dem Preis entsprechen, den ein Anleger tatsächlich bezahlt.

Deutsche Staatsanleihen werden als Bundesanleihen bezeichnet und gehören zu den Bundeswertpapieren. Die Deutsche Finanzagentur informiert über Emission, Verwaltung und Handel deutscher Bundeswertpapiere. Dazu zählen auch Emissionskalender, Auktionen, umlaufende Wertpapiere und der Sekundärmarkt.

Staatsanleihen können unterschiedliche Formen annehmen. Neben klassischen Anleihen gibt es zum Beispiel unverzinsliche Schatzanweisungen, inflationsindexierte Wertpapiere oder grüne Bundeswertpapiere. Diese Varianten unterscheiden sich bei Zins, Laufzeit, Rückzahlung oder Zweck. Entscheidend bleibt immer der konkrete Wertpapierprospekt.

Der Staat nutzt das aufgenommene Geld nicht wie ein Unternehmen für ein einzelnes Projekt. Die Mittel fließen in den allgemeinen Staatshaushalt oder in eine festgelegte Finanzierungsstruktur. Anleger besitzen deshalb keinen Anteil an einem Staatsprojekt, sondern sind Gläubiger des Staates und haben einen Anspruch aus der Schuldverschreibung.

Wie funktionieren Emission, Kauf, Kupon und Rückzahlung?

Bei einer Emission legt der Staat die Bedingungen einer neuen Anleihe fest. Dazu gehören unter anderem Nennwert, Kupon, Zinszahlungstermine, Währung und Fälligkeitsdatum. Die Anleihe gelangt damit erstmals an den Primärmarkt.

Der Kauf kann je nach Emissionsweg über eine Bank, einen Broker oder ein zugelassenes Finanzinstitut erfolgen. Im Auftrag des Anlegers wird die Anleihe gezeichnet oder gekauft. Nach der Abwicklung erscheint sie im Wertpapierdepot. Ein Schuldbuchkonto ist eine weitere Form der Verwahrung, die bei bestimmten staatlichen Wertpapieren eine Rolle spielen kann.

Der angegebene Nennwert ist nicht zwingend der Kaufpreis. Eine Anleihe kann bei der Ausgabe zum Nennwert, mit einem Aufschlag oder mit einem Abschlag angeboten werden. Zusätzlich können Orderentgelte oder Börsenspesen entstehen.

Der Kupon beschreibt den vertraglich festgelegten Zinssatz. Er bezieht sich auf den Nennwert, nicht automatisch auf den tatsächlich gezahlten Kaufpreis. Bei einem Nennwert von 1.000 Euro und einem Kupon von 5 Prozent beträgt die jährliche Zinszahlung daher 50 Euro. Die Auszahlung kann je nach Anleihe jährlich oder in anderen vereinbarten Abständen erfolgen.

Wichtig ist der Unterschied zwischen dem Kupon und dem persönlichen Zahlungsstrom. Wer eine Anleihe über dem Nennwert kauft, erhält zwar denselben Kuponbetrag, zahlt aber mehr für die künftigen Zahlungen. Wer unter dem Nennwert kauft, kann neben den Zinsen einen zusätzlichen Wertzuwachs erzielen, wenn die Rückzahlung zum Nennwert erfolgt.

Am Fälligkeitstag endet die Laufzeit. Der Staat zahlt den vereinbarten Rückzahlungsbetrag an die depotführende Stelle, die ihn beim Anleger verbucht. Eine Rückzahlung zum Nennwert setzt jedoch voraus, dass der Staat seine Verpflichtungen erfüllen kann.

Bis zur Fälligkeit bleiben die vertraglichen Zahlungsregeln grundsätzlich bestehen. Der Anleger muss die Anleihe also nicht verkaufen, um die vorgesehenen Zinsen zu erhalten. Bei einem Verkauf erhält er dagegen den aktuellen Marktpreis, der vom Nennwert abweichen kann.

Die genaue Ausgestaltung steht in den Emissionsbedingungen. Vor dem Kauf sollten Anleger besonders diese Punkte prüfen:

Wichtige Merkmale und Risiken von Staatsanleihen im Überblick

Aspekt Bedeutung Worauf Anleger achten sollten
Nennwert Betrag, auf den sich die Rückzahlung am Fälligkeitstag bezieht. Der Nennwert entspricht nicht zwingend dem tatsächlichen Kaufpreis.
Kupon Vertraglich festgelegter Zinssatz auf den Nennwert. Der Kupon allein zeigt nicht die tatsächliche Rendite des Investments.
Rendite Erwarteter Gesamtertrag unter Einbeziehung von Kaufpreis, Zinsen und Rückzahlung. Rendite bis zur Fälligkeit sowie Kosten und Steuern vergleichen.
Laufzeit und Fälligkeit Zeitraum bis zur vereinbarten Rückzahlung. Die Laufzeit sollte zum eigenen Anlagehorizont und Liquiditätsbedarf passen.
Marktpreis Aktueller Kurs einer bereits ausgegebenen Anleihe am Sekundärmarkt. Steigende Marktzinsen können den Kurs bestehender Anleihen drücken.
Zinsänderungsrisiko Risiko von Kursverlusten durch veränderte Marktzinsen. Lange Laufzeiten und eine hohe Duration führen meist zu stärkeren Kursschwankungen.
Bonitätsrisiko Risiko, dass der Staat Zinsen oder Rückzahlung nicht vollständig leistet. Staatsschulden, wirtschaftliche Lage und Rating des Emittenten prüfen.
Inflationsrisiko Steigende Preise können die reale Kaufkraft von Zinsen und Rückzahlung mindern. Nominale Rendite nicht mit realem Vermögenszuwachs gleichsetzen.
Währungsrisiko Bei Fremdwährungsanleihen kann der Wechselkurs den Ertrag verändern. Rendite immer aus Sicht der eigenen Referenzwährung beurteilen.
Liquidität Beschreibt, wie leicht eine Anleihe gekauft oder verkauft werden kann. Handelsvolumen und Geld-Brief-Spanne vor dem Kauf kontrollieren.
Stückzinsen Seit dem letzten Zinstermin aufgelaufener Anteil des nächsten Kupons. Stückzinsen werden zusätzlich zum Kurswert abgerechnet.
Kosten und Steuern Order-, Börsen-, Verwahrkosten und steuerliche Belastungen reduzieren den Nettoertrag. Den tatsächlich zu zahlenden Betrag und den erwarteten Nettoertrag berechnen.

Wie entstehen Kurs und Rendite am Sekundärmarkt?

Am Sekundärmarkt wechseln bereits ausgegebene Staatsanleihen den Besitzer. Der Staat erhält dabei normalerweise kein neues Geld. Käufer und Verkäufer handeln über Börsen oder andere Handelsplätze miteinander.

Der Kurs wird als Prozentsatz des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 98 bedeutet bei einem Nennwert von 1.000 Euro einen reinen Kurswert von 980 Euro. Hinzu kommen je nach Kaufzeitpunkt die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen Stückzinsen.

Die Stückzinsen gleichen den bereits vergangenen Teil der nächsten Zinsperiode aus. Der Käufer zahlt sie dem Verkäufer mit dem Kaufpreis. Bei der nächsten Kuponzahlung erhält der Käufer meist den vollen Kupon. Ohne Stückzinsen würde der Verkäufer für die bereits gehaltene Zeit leer ausgehen.

Der Marktpreis entsteht laufend durch Angebot und Nachfrage. Händler berücksichtigen dabei nicht nur den allgemeinen Marktzins, sondern auch Restlaufzeit, erwartete Inflation, Bonität, Handelsvolumen und aktuelle Marktstimmung.

Die Rendite misst, wie stark sich das eingesetzte Kapital voraussichtlich verzinst. Sie bezieht Kaufkurs, Kuponzahlungen, Restlaufzeit und Rückzahlung ein. Deshalb kann eine Anleihe mit einem festen Kupon je nach Kaufpreis eine unterschiedliche Rendite bieten.

Ein Kauf über dem Nennwert drückt die Rendite meist unter den Kuponsatz. Der Anleger zahlt mehr, erhält bei Fälligkeit aber nur den vereinbarten Rückzahlungsbetrag. Ein Kauf unter dem Nennwert kann die Rendite erhöhen, sofern die Rückzahlung vollständig erfolgt.

Für einen sinnvollen Vergleich sollte die Rendite bis zur Fälligkeit betrachtet werden. Diese Kennzahl unterstellt, dass alle Zahlungen pünktlich erfolgen und die Anleihe bis zum Ende gehalten wird. Gebühren, Steuern und ein möglicher Zahlungsausfall können das tatsächliche Ergebnis verändern.

Beim Verkauf zählt nicht der ursprüngliche Kaufpreis, sondern der dann verfügbare Marktpreis. Ein Anleihekurs kann deshalb trotz regelmäßiger Zinszahlungen unter dem Einstandspreis liegen.

Warum verändern sich Staatsanleihekurse bei Zinsänderungen?

Der Kurs einer bestehenden Staatsanleihe passt sich an neue Marktbedingungen an, während der feste Kupon gleich bleibt. Verändert sich die Verzinsung neu handelbarer Anleihen, muss der Preis der alten Anleihe den Unterschied ausgleichen.

Steigt der Marktzins, verlangen Anleger für vergleichbare neue Wertpapiere mehr laufenden Ertrag. Eine ältere Anleihe mit unverändertem Kupon wird dann nur zu einem niedrigeren Kurs attraktiv. Sinkt der Marktzins, wirkt der feste Kupon im Vergleich günstiger und der Kurs kann steigen.

Der Zusammenhang lässt sich mit den künftigen Zahlungen erklären. Der Wert einer Anleihe entspricht vereinfacht dem heutigen Wert aller erwarteten Kupons und der Rückzahlung. Diese Beträge werden mit einem passenden Marktzins abgezinst. Ein höherer Abzinsungssatz verringert den heutigen Wert, ein niedrigerer erhöht ihn.

Die Reaktion hängt auch davon ab, wann die einzelnen Zahlungen anfallen. Bei einer langen Restlaufzeit liegen viele Kupons und die Rückzahlung noch weit in der Zukunft. Deshalb reagiert der Kurs meist stärker. Bei einer kurzen Restlaufzeit ist der Anpassungsbedarf oft kleiner.

Ein nützliches Maß dafür ist die Duration. Sie beschreibt vereinfacht, wie empfindlich der Preis auf eine Veränderung der Rendite reagiert. Eine höhere Duration bedeutet meist größere Kursbewegungen bei demselben Zinsimpuls.

Auch die Form der Zinskurve spielt eine Rolle. Der Markt verlangt nicht für jede Laufzeit denselben Zinssatz. Eine Veränderung bei kurzfristigen Zinsen muss daher nicht zu einer gleich großen Bewegung bei lang laufenden Staatsanleihen führen.

Zusätzlich können Inflationserwartungen, Geldpolitik, Konjunkturdaten und die Nachfrage nach sicheren Anlagen den Kurs beeinflussen. Bei ausländischen Emittenten kommt eine veränderte Einschätzung der Zahlungsfähigkeit hinzu. Der Zinseffekt ist daher eine wichtige, aber nicht die einzige Erklärung.

Ein fallender Kurs ist nicht automatisch ein Hinweis auf einen Zahlungsausfall; er kann allein durch ein verändertes Zinsniveau entstehen. Vor einer Entscheidung sollten Restlaufzeit, Rendite, Bonität und die geplante Haltedauer gemeinsam betrachtet werden.

Rechenbeispiel: Kupon, Nennwert und Marktzins

Für das folgende Beispiel gelten vereinfachte Annahmen: Eine Staatsanleihe hat einen Nennwert von 1.000 Euro, eine Laufzeit von zehn Jahren und einen Kupon von 5 Prozent. Der Kupon beträgt damit 50 Euro pro Jahr.

Der Kupon wird immer auf den Nennwert berechnet. Der Anleger erhält also 50 Euro jährlich, unabhängig davon, ob der Kaufpreis bei 1.000 Euro, darüber oder darunter liegt. Darin zeigt sich der Unterschied zwischen Kupon und tatsächlicher Rendite.

Die Werte 1.081 Euro und 926 Euro sind eine vereinfachte Darstellung. Sie zeigen, wie ein Marktzins von 4, 5 oder 6 Prozent den Wert dieser zehnjährigen Zahlungsreihe ungefähr beeinflussen kann. Der tatsächliche Kurs hängt zusätzlich von Restlaufzeit, Bonität, Liquidität und den Bedingungen am Markt ab.

Bei einem Marktzins von 4 Prozent wirkt der Kupon von 5 Prozent vergleichsweise attraktiv. Der Kurs kann deshalb über den Nennwert steigen. Bei einem Marktzins von 6 Prozent sind neu angebotene Anleihen mit höherer Verzinsung interessanter. Die bestehende Anleihe kann dann nur mit einem Abschlag konkurrenzfähig bleiben.

Die Rechnung zeigt außerdem den Unterschied zwischen Kuponrendite und Rendite bis zur Fälligkeit. Für die vollständige Rendite zählen neben den jährlichen 50 Euro auch Kaufpreis, Rückzahlung von 1.000 Euro, verbleibende Laufzeit, Gebühren und Steuern.

Ein Verkauf vor dem Fälligkeitstag verändert das Ergebnis nochmals. Dann wird der tatsächliche Verkaufskurs verwendet. Die Rückzahlung zum Nennwert bleibt an die Zahlungsfähigkeit des Staates gebunden.

Die Zahlen sind kein Kursversprechen. Sie machen lediglich den Mechanismus greifbar: Der feste Kupon bleibt unverändert, während sich der Marktpreis an das aktuelle Zinsumfeld anpasst.

Wie sicher sind Staatsanleihen und welche Rolle spielt das Rating?

Die Sicherheit von Staatsanleihen lässt sich nicht pauschal beurteilen. Maßgeblich ist, ob der jeweilige Staat seine Zahlungen aus eigener Finanzkraft, durch neue Schulden oder andere Einnahmen bedienen kann. Eine Staatsanleihe ist daher keine Garantie gegen Verluste.

Das Rating ist eine unabhängige Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Staates. Ratingagenturen prüfen dabei unter anderem wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Haushaltslage, politische Stabilität und die Tragfähigkeit der Staatsschulden.

Ein Rating ist nur eine Einschätzung und kann sich ändern, wenn sich Wirtschaft, Staatshaushalt oder politische Lage verschlechtern. Anleger sollten deshalb nicht allein auf einen Ratingbuchstaben achten.

Auch die Währung beeinflusst das Risiko. Staaten mit eigener Währung können grundsätzlich über ihre Zentralbank Liquidität bereitstellen. Das beseitigt jedoch weder Inflationsgefahren noch das Risiko eines Wertverlusts der Währung. Bei Fremdwährungsanleihen kommt zusätzlich die Wechselkursentwicklung hinzu.

Deutsche Staatsanleihen heißen Bundesanleihen und gehören zu den Bundeswertpapieren. Die Deutsche Finanzagentur stellt Informationen zur Emission, Verwaltung und zum Handel bereit, darunter zu Primärmarkt, Sekundärmarkt, Auktionsverfahren und Emissionskalender.

Ein hohes Rating bedeutet nicht, dass der Kurs einer Anleihe stabil bleibt. Selbst bei guter Bonität können Zinsen, Inflation oder die Nachfrage am Markt den Preis verändern. Bonitätsrisiko und Kursrisiko sind daher zwei verschiedene Punkte.

Wer bis zur Fälligkeit hält, kann Kursschwankungen teilweise ausblenden. Die vereinbarte Rückzahlung setzt aber voraus, dass der Staat zahlungsfähig bleibt. Bei einer Umschuldung, einem Zahlungsausfall oder geänderten Zahlungsbedingungen kann auch ein langfristig orientierter Anleger Verluste erleiden.

Ratings helfen bei der ersten Einordnung. Eine belastbare Prüfung verbindet sie mit Laufzeit, Währung, Rendite, Staatsschulden und der eigenen Risikotragfähigkeit.

Welche Vorteile können Staatsanleihen bieten?

Staatsanleihen können einem Depot eine klare Aufgabe geben: Sie liefern einen vertraglich festgelegten Zahlungsstrom und lassen sich mit anderen Anlageklassen kombinieren. Der Nutzen entsteht daher nicht nur durch den Zins, sondern auch durch ihre Funktion im Gesamtdepot.

Ein weiterer Vorteil ist die mögliche Streuung über mehrere Staaten. Anleger können ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Schuldner verringern. Dabei sollten Währung und Zahlungsfähigkeit jedes Staates separat geprüft werden.

Staatsanleihen können außerdem als Vergleichsmaßstab dienen. Ihre Renditen beeinflussen die Bewertung anderer festverzinslicher Anlagen. Für Anleger wird dadurch sichtbarer, welchen Mehrertrag ein riskanterer Schuldner gegenüber einem als stabiler eingeschätzten Staat bietet.

Bei bestimmten Wertpapieren kann die Ausstattung besondere Ziele unterstützen. Inflationsindexierte Anleihen können Tilgung oder Zinsberechnung an einen Preisindex koppeln. Grüne Bundeswertpapiere beziehen sich auf eine spezielle Finanzierungsstruktur. Solche Merkmale ersetzen aber keine Prüfung der konkreten Bedingungen.

Der Vorteil einer Staatsanleihe hängt letztlich vom Anlageziel ab. Für einen kurzen Zeitraum kann ein lang laufender Titel unpassend sein. Für regelmäßige Zahlungen oder eine gestaffelte Fälligkeit kann er dagegen sinnvoll sein.

Welche Risiken entstehen bei der Investition?

Eine Investition in Staatsanleihen kann trotz regelmäßiger Zahlungen zu Verlusten führen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kaufpreis, Laufzeit, Währung, Inflation und Zahlungsfähigkeit des Staates.

Inflationsrisiko mindert die reale Kaufkraft der Erträge. Selbst wenn Kupon und Rückzahlung pünktlich erfolgen, können gestiegene Verbraucherpreise den tatsächlichen Wert des Geldes verringern. Eine nominal positive Rendite muss daher nicht automatisch einen realen Vermögenszuwachs bedeuten.

Bei einer Anleihe in Fremdwährung kommt das Wechselkursrisiko hinzu. Fällt die ausländische Währung gegenüber dem Euro, können Zinszahlungen und Rückzahlung nach der Umrechnung weniger wert sein. Eine höhere Nominalrendite kann dadurch vollständig aufgezehrt werden.

Ein weiteres Risiko ist die Liquidität. Eine Anleihe gilt zwar als handelbar, doch es kann zu bestimmten Zeiten wenige Kauf- oder Verkaufsangebote geben. Dann liegt die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs oft höher. Ein Verkauf kann dadurch teurer werden oder nur mit einem deutlichen Preisabschlag gelingen.

Auch Stückelung und Ordergröße spielen eine Rolle. Bei kleinen Handelsvolumen können einzelne Angebote den angezeigten Kurs stärker beeinflussen. Der zuletzt sichtbare Preis muss deshalb nicht dem Preis entsprechen, zu dem eine größere Position tatsächlich verkauft werden kann.

Wiederanlagerisiko entsteht nach einer Zinszahlung oder Rückzahlung. Sinkt das Marktzinsniveau, lassen sich frei werdende Beträge möglicherweise nur zu einer niedrigeren Rendite anlegen.

Bei bestimmten Anleihen bestehen zudem besondere Vertragsrisiken. Dazu zählen vorzeitige Kündigungsrechte des Emittenten, variable Zinsen oder Bedingungen für eine Umschuldung. Solche Klauseln können den Zahlungsstrom verändern und sollten vor dem Kauf genau gelesen werden.

Steuerliche Belastungen und Depotkosten reduzieren den Nettoertrag. Die konkrete Behandlung hängt unter anderem vom Wohnsitz, der persönlichen Situation und der geltenden Gesetzgebung ab. Vor einer Anlage sollten die aktuellen Regeln fachlich geprüft werden.

Eine kompakte Risikoprüfung umfasst daher:

Diese Punkte können sich gegenseitig verstärken. Eine lange Laufzeit, eine fremde Währung und ein wenig liquider Markt erhöhen die Unsicherheit gemeinsam stärker als jeder Faktor für sich. Staatsanleihen sollten deshalb nicht allein nach dem höchsten Kupon ausgewählt werden.

Was ist beim Halten bis zur Fälligkeit zu beachten?

Das Halten bis zur Fälligkeit kann Kursschwankungen aus der täglichen Betrachtung nehmen. Es macht eine Staatsanleihe aber nicht automatisch sicher. Die geplante Rückzahlung setzt voraus, dass der Staat seine Verpflichtungen erfüllt.

Für die Entscheidung ist der persönliche Liquiditätsbedarf wichtig. Wer das Geld vor dem Fälligkeitstag benötigt, muss möglicherweise zu einem ungünstigen Kurs verkaufen. Ein Notgroschen gehört deshalb nicht in eine lang laufende Anleihe.

Bei der Renditeberechnung sollten Anleger alle Zahlungen bis zum Ende einbeziehen. Dazu zählen:

Ein weiterer Punkt ist die Wiederanlage. Werden Kupons vor der Fälligkeit ausgezahlt, müssen sie nicht automatisch zum ursprünglichen Zinssatz angelegt werden können. Die tatsächliche Gesamtrendite kann deshalb von der anfänglichen Rendite bis zur Fälligkeit abweichen.

Auch die Kaufabrechnung verdient Aufmerksamkeit. Der ausgewiesene Kurs und der tatsächlich zu zahlende Betrag können sich durch Stückzinsen und Gebühren unterscheiden. Vor dem Kauf sollte daher der Endbetrag im Depotauftrag geprüft werden.

Bei mehreren Anleihen kann eine Fälligkeitsleiter helfen. Dabei verteilen Anleger Rückzahlungstermine über verschiedene Jahre. So wird nicht das gesamte Kapital an einem einzigen Termin frei. Die frei werdenden Beträge können dann neu angelegt oder für geplante Ausgaben verwendet werden.

Das Halten bis zur Fälligkeit passt eher zu Anlegern, die:

Eine Rückzahlung zum Nennwert ist ein vertragliches Ziel, aber keine staatliche Einlagengarantie. Bei Zahlungsproblemen, einer Umschuldung oder einer Änderung der Bedingungen kann der Anleger weniger erhalten oder später bezahlt werden.

Worauf sollten Anleger beim Vergleich achten?

Beim Vergleich von Staatsanleihen zählt nicht der höchste Kupon allein. Entscheidend ist, welches Verhältnis zwischen erwartetem Ertrag, Kosten, Bindungsdauer und möglichem Verlust entsteht.

Bei der Rendite sollte außerdem zwischen nominalem und realem Ertrag unterschieden werden. Der nominale Wert berücksichtigt die Inflation nicht. Für langfristige Ziele ist daher wichtig, ob die erwartete Rendite voraussichtlich über der Geldentwertung liegt.

Besondere Vertragsmerkmale können den Vergleich verändern. Dazu gehören variable Kupons, Kündigungsrechte, Tilgungen in mehreren Raten oder eine an einen Index gekoppelte Rückzahlung. Zwei Anleihen mit gleicher Laufzeit sind deshalb nicht automatisch gleich aufgebaut.

Für einen sauberen Vergleich hilft eine feste Reihenfolge:

  1. Währung und Schuldner festlegen.
  2. Passende Fälligkeit und Zahlungsstruktur auswählen.
  3. Rendite nach allen absehbaren Kosten vergleichen.
  4. Besondere Vertragsklauseln prüfen.
  5. Ordergröße, Handelsplatz und steuerliche Behandlung kontrollieren.

Wie lassen sich Staatsanleihen kaufen?

Staatsanleihen lassen sich meist über eine Bank, einen Broker oder einen anderen Finanzdienstleister kaufen. Dafür wird ein Wertpapierdepot benötigt. Der Kauf erfolgt entweder bei der Erstausgabe am Primärmarkt oder später über den Sekundärmarkt.

Bei einem Kauf am Primärmarkt zeichnet der Anleger eine neu ausgegebene Anleihe. Die Zuteilung richtet sich nach dem jeweiligen Emissionsverfahren. Nicht jede Emission steht allen Privatanlegern direkt offen. Die konkreten Zugangsvoraussetzungen hängen vom Wertpapier und vom Finanzdienstleister ab.

Am Sekundärmarkt wird eine bereits ausgegebene Staatsanleihe gekauft. Die Order kann je nach Depotbank über eine Börse oder einen anderen Handelsplatz laufen. Vor dem Absenden sollten Anleger prüfen, ob es sich um einen Kauf zum Limitkurs oder um eine unlimitierte Order handelt.

Die Wertpapierkennnummer oder ISIN hilft, das richtige Wertpapier zu finden. Vor der Order sollten Anleger Währung, Fälligkeitstermin, Kupon und Stückelung kontrollieren. Verwechslungen sind möglich, wenn mehrere Anleihen desselben Staates ähnlich bezeichnet werden.

Eine weitere Möglichkeit bieten Anleihefonds und ETFs. Sie bündeln viele Schuldverschreibungen und verteilen das Risiko auf mehrere Emittenten oder Laufzeiten. Dafür besitzt der Anleger meist keine einzelne Anleihe mit einem festen Rückzahlungstermin. Der Wert des Fondsanteils schwankt fortlaufend.

Beim Kauf über einen Fonds oder ETF entstehen laufende Produktkosten. Bei einer einzelnen Anleihe fallen dagegen vor allem Transaktions-, Verwahr- und Handelsspannen an. Ein direkter Vergleich sollte die Gesamtkosten und die gewünschte Haltedauer einbeziehen.

Vor der Order sollten Anleger außerdem den sogenannten Abrechnungskurs prüfen. Er kann neben dem Börsenkurs Stückzinsen, Gebühren und weitere Entgelte enthalten. Der tatsächlich belastete Betrag kann deshalb höher sein als der zunächst angezeigte Kurswert.

Fazit: Staatsanleihen prüfen und Risiken abwägen

Staatsanleihen passen vor allem dann, wenn Anlageziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft zusammenpassen. Eine einzelne Kennzahl reicht für die Entscheidung nicht aus. Sinnvoll ist eine kurze Prüfung der gesamten Zahlungsstruktur und der eigenen finanziellen Situation.

Vor dem Kauf sollte klar sein, ob das Kapital bis zur Fälligkeit entbehrlich ist und ob ein Kursrückgang im Depot ausgehalten werden kann. Wer diese Punkte nicht beantworten kann, sollte die Investition nicht allein wegen eines attraktiven Kupons wählen.

Eine sachliche Abschlussprüfung kann so aussehen:

Staatsanleihen können Klarheit und planbare Zahlungsbedingungen bieten. Sie sind aber weder automatisch risikofrei noch für jedes Anlageziel geeignet. Eine gut begründete Entscheidung entsteht erst, wenn Rendite, Laufzeit, Schuldnerqualität, Kosten und persönliche Liquidität gemeinsam betrachtet werden.

Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerliche Regeln können sich ändern und sollten vor einer Investition anhand der aktuell geltenden Vorgaben geprüft werden. Konkrete aktuelle Kurse, Renditen, Laufzeiten, Termine, Ratings, Auktionsergebnisse und Wertpapierbedingungen sollten unmittelbar vor dem Kauf bei offiziellen Stellen, der Deutschen Finanzagentur oder geeigneten Finanzinformationsdiensten geprüft werden.

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